Heidefahrt Imkerverein Hildesheim

Glück gehabt: noch zwei Tage vorher sagte der Wetterbericht Starkregen und Gewitter voraus, doch am 26. August konnte der Hildesheimer Imkerverein bei bedecktem, aber trockenem Wetter in die Südheide starten. Durch den vielen Regen in den letzten Monaten hat die Heide nach den letzten trockenen Jahren wieder genügend Feuchtigkeit bekommen viele frische Triebe zu bilden und in aller Pracht zu blühen.

Zunächst ging es in die Misselhorner Heide, ein kleines aber feines Heidegebiet bei Hermannsburg. Leichte Hügel und weite Heideflächen, die immer wieder von Wacholder, Birken und Kiefern unterbrochen werden sind charakteristisch für die Landschaft. Heideflächen sind alte Kulturlandschaften, entstanden durch die Abholzung und Bewirtschaftung auf den sehr nährstoffarmen Sandböden während früherer Jahrhunderte. Wegen Ihrer ganz besonderen Flora und Fauna stehen sie heute unter Naturschutz. Während des Spaziergangs verzogen sich die letzten Wolken schnell und wir hatten perfektes Spätsommerwetter, so dass wir wunderschöne Ausblicke auf die tief violette Heide genießen konnten.

Auf dem Rückweg haben wir eine Schäferin mit ihrer Herde getroffen, genau so idyllisch stellt man sich einen Tag in der Heide vor!

Weiter ging es über Hermannsburg zum Waldcafé an der Backebergsmühle, zu einer der letzten Korbimkereien in Deutschland. Hier hat uns Frau Winterhoff Interessantes über die Geschichte der Korbimkerei in der Südheide erzählt sowie die Besonderheiten der Korbimkerei im Gegensatz zur Magazinimkerei erklärt,

die Töchter haben Honigbrot und Met herumgereicht, und Herr Winterhoff hat uns die Völker gezeigt und unsere vielen Fragen geduldig beantwortet.

Beispielsweise wird in der Korbimkerei nicht wie bei uns jeweils nach der Frühjahrs- und der Sommertracht zweimal geerntet, sondern nur einmal im Jahr Ende September nach der Heidetracht der Honig des ganzen Jahres. Dementsprechend eng ist dann auch das Zeitfenster für die Einwinterung. Beeindruckend war, dass die etwa 200 Bienenkörbe (Lüneburger Stülper und Kanitzkörbe) schon seit fünf Generationen im Besitz der Familie sind und immer wieder mit Roggenstroh, Rohr und „Kuhscheiße“ repariert werden. Nachhaltiger geht es nicht! Bewundert haben wir auch den „Bienenzaun“, das große Viereck aus Regalen in denen die Bienenkörbe stehen, mit dem rustikalen Holzhäuschen für historisches Imkermaterial in der Mitte.

Wo könnte man sowas zuhause aufstellen…? Zur Stärkung ging es abschließend ins Waldcafé nebenan, wo Familie Winterhoff uns mit Kaffee und richtig leckeren Torten verwöhnt hat.

Auf den sandigen Heideböden hat der Kartoffelanbau Tradition, so drehte sich dann bei der nächsten Station auf dem Kartoffelfest auf dem Hof Tewes auch alles darum: frisch gebackenes Kartoffelbrot, Röstkartoffeln, Kartoffelpuffer, Bratkartoffeln… und dazu ein kühles Bier, in netter Runde bei schönem Wetter unter alten Eichen im Hof sitzen… ein kleines bisschen wie Urlaub. Wer wollte konnte an diversen Gewinnspielen teilnehmen und dabei – natürlich – Kartoffeln gewinnen. Im Garten des Hofs haben viele kleine Anbieter aus der Region ihre Waren angeboten, wie z.B. sehr leckeres hausgemachtes Eis, Waffeln, Heidschnuckenwurst, Felle und Wolle, Selbstgenähtes und Geschnitztes; auch eine Imkerin war da und hat verschiedene Honige, Bienenwachstücher und Kerzen angeboten.

Und wer pflegt die Heide? Die Heidschnucken! Der Heidschnucken-Hof Niederohe hält eine große Herde, die das ganze Jahr über mit dem Schäfer in der Heide unterwegs ist und dort Heide, verschiedene Kräuter, Zweige und Triebe frisst. Da die Tiere täglich 10 bis 12 Kilometer laufen und so besonders ernährt werden, ist das Fleisch sehr mager und schmeckt weniger nach Schaf oder Lamm als nach Wild, was wir auch hier wieder probieren durften. Lecker!

Herr Kuhlmann erzählte von der über 1000jährigen Tradition des Hofes, der schon seit dem Mittelalter im Besitz seiner Familie ist, von der Geschichte der Landwirtschaft in der Heide und der Nutzung der Heidschnucken gestern und heute. Die Heidschnucken werden inzwischen hauptsächlich zur Pflege der Heideflächen gehalten, damit die Heide regelmäßig neu austreibt und nicht von Birken, Kiefern, Brombeeren und anderen Büschen überwachsen wird und diese wertvolle Kulturlandschaft erhalten bleibt.

Nach unserem Besuch bei den Heidschnucken ging es wieder zurück nach Hildesheim, es war wirklich ein schöner Tag! So etwas sollten wir jedes Jahr machen, Vorschläge für interessante Ziele sind gern willkommen!


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